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Ein Herz für Frühaufsteher
Gäste, die zu nachtschlafener Zeit aufstehen, um ihren Zug oder Flieger zu erreichen, müssen sich nicht mit leerem Magen auf den Weg machen. Wer vor 6 Uhr auscheckt, für den kommt zwar das Frühstücksbuffet in den meisten Hotels zu spät. Doch immer mehr Hoteliers beherzigen den alten Spruch: „Morgenstund hat Gold im Mund“. Sie betreuen Frühaufsteher besonders, auch wenn sie nur eine kleine Gruppe unter den Gästen sind. Dazu gehört, ihnen vor einem langen Arbeitstag eine ansprechende Mahlzeit anzubieten. Das gebietet nicht nur die Rolle als professioneller Gastgeber. Es lohnt sich auch betriebswirtschaftlich. Denn in der Regel sind solche Early Birds (frühe Vögel) Geschäftsleute, die häufig in Hotels übernachten. Sie wissen einen guten Service zu schätzen und steigen gern immer wieder dort ab, wo man sich auf ihre Bedürfnisse einstellt. In der Praxis haben sich für das frühe Frühstück zwei Klassiker herausgebildet: Der kleine Snack in der Hotellobby und die Lunchbox zum Mitnehmen. Hier einige Erfahrungen: Early-Bird-Frühstück ist oft kostenlos Für viele Hotels in der Nähe von Bahnhöfen und Flughäfen ist der „Early Bird-Service“ schon seit längerem selbstverständlich. Sie bieten ihn oft sogar kostenlos an. Wie das Mövenpick-Hotel in München. Es liegt nur acht Minuten vom Flughafen entfernt. In dem Vier-Sterne-Haus logieren deshalb oft Gäste, die in aller Frühe ihren Flieger erreichen müssen. Auf die hat sich das Hotel-Team eingestellt. Täglich steht ihnen von 4 bis 6 Uhr ein Gratis-Frühaufsteher-Frühstück zur Verfügung. Auch im Arabella Sheraton im Düsseldorfer Flughafen müssen Urlauber, Piloten und Stewardessen morgens nicht mit leerem Magen in den Flieger steigen. Schon sehr zeitig, nämlich ab 5.30 Uhr können sie ihr Frühstück im Restaurant genießen. Es steht bis 10.30 Uhr bereit. Wem das noch nicht früh genug ist, kein Problem. Die ganze Nacht über, von 23 Uhr bis 5.30 Uhr, werden Frühstücksboxen angeboten. Darüber hinaus gibt es zwischen 3.30 Uhr und 5.30 Uhr ein kleines Frühstück in der Hotellobby. Aber auch Hotels, die nicht unmittelbar in Flughafennähe liegen, bieten zunehmend Service für Frühaufsteher. Im Kölner Hyatt wird zwischen 6.30 Uhr und 10.30 Uhr regulär gefrühstückt. Wer eher los muss, kann eine Lunchbox mit Sandwich, Muffin, Obst und einem Getränk ordern. Die wird ihm dann morgens beim Auschecken überreicht. Das Ibis Hotel in Rostock hat sowohl an Frühaufsteher als auch an Langschläfer gedacht. Sie bekommen ein Extra-Frühstück, wenn sie das Bufett verpassen, das wochentags zwischen 6.30 und 10 Uhr und an den Wochenenden und Feiertagen bis 11.00 Uhr aufgebaut ist. Die Frühaufsteher erhalten ab 4 Uhr einen kleinen Snack, Langschläfer bis 12 Uhr. Selbstverständlich ist das frühe Frühstück in vielen Kempinski-Hotels. Ab zwei Uhr morgens wird es im Hotel Gravenbruch bei Frankfurt serviert. Im Münchner Vier-Jahreszeiten kann der Gast zu jeder Zeit in der Lobby frühstücken. Im Berliner Adlon gibt es von 5.30 Uhr bis 6 Uhr ein Continental-Breakfast. Westin Grand Berlin: Kleiner Morgen-Imbiss in der Lobby Im Westin Grand Hotel in der Berliner Friedrichstraße bereitet die Küchencrew jeden Abend ein kleines Frühstück für die Early Birds vor. Wer vor sechs Uhr auscheckt, kann es kostenlos in Anspruch nehmen. „Tee, Kaffee, vier Sorten Marmelade, Honig, Croissant und Plundergebäck, mehr wollen die Leute so früh gar nicht,“ weiß Küchenchef Markus Herbicht. Der Morgenimbiss wird ab 4 Uhr vor der Rezeption angeboten. Sobald der Bäcker seine ersten frischen Teilchen fertig gebacken hat, liefert er sie ans Westin aus. Die Mitarbeiter der Rezeption legen sie dann meist noch warm auf den Bufettwagen und bereiten auch die Getränke zu. Der Gast bedient sich selbst und sucht sich einen Platz in der Lobby. „Es bedeutet für uns keinen großen Aufwand, und die Gäste sind zufrieden“, so Küchenchef Herbicht. Das Hotel benötigt für das frühe Frühstück kein zusätzliches Personal. Die geschulten Mitarbeiter der Rezeption haben alles gut im Griff. Wenn doch einmal jemand einen besonderen Wunsch hat, wie etwa nach einem Salat oder einer kleinen Käse- oder Wurstplatte – kein Problem. „Was der Gast haben will, das bekommt er auch“, so die Devise im Westin Grand. Ab 4 Uhr ist die Küche ohnehin besetzt, denn das Personal bereitet das große Frühstücksbufett vor, das im Restaurant Coelln angerichtet wird. Täglich nutzen etwa 20 bis 25 Leute im Berliner Westin Grand das frühe Frühstück. Oft sind es Crews von Airlines, die früh raus müssen. Touristen machen sich in der Regel nicht so zeitig auf den Weg. Sie genießen lieber das üppige Frühstücksbuffet, das eine gute Grundlage für den ganzen Tag bietet. „Es hat sich unter unseren Gästen herumgesprochen, dass wir uns damit große Mühe geben. Deshalb lassen sie es sich ungern entgehen“, so Küchenchef Markus Herbicht. Von 6.30 bis 11 Uhr stehen über 80 verschiedene Köstlichkeiten bereit, darunter über 30 Sorten Obst in unterschiedlichen Variationen, von handlichen Stückchen über Salat bis zu frisch gepressten Säften. Dazu gibt's Biomüslis und acht Sorten Joghurt. Die Gäste lieben auch die große Schinkenauswahl, neun Sorten aus aller Welt, vom Parmaschinken über Schwarzwälder bis zum Kochschinken. 15 Sorten Käse sind im Angebot. Natürlich gibt es auch diverse Eierspeisen, die alle frisch vor dem Gast zubereitet werden. Warme Anteile wie Speck, warme Tomaten oder Weißwürste fehlen nicht im Angebot, genauso wie diverse Sorten von Räucherfisch und Salate. Das Frühstück am Buffet im Restaurant Coelln ist mit 23 Euro kalkuliert. Ein Trost für alle, die darauf verzichten müssen, weil sie früher auschecken: Sie bekommen das Geld wieder, wenn das Frühstück im Zimmerpreis enthalten war. Im Berliner Westin Grand gehört das Early Bird Frühstück zu den Standardleistungen des Hotels. Die Gäste müssen also nicht vorher Bescheid geben, wenn sie es nutzen möchten. Anders ist das bei der Lunchbox. Die ist für Gäste gedacht, die noch vor 4 Uhr auschecken müssen oder keine Zeit fürs Early Bird haben. Sie wird nach den individuellen Wünschen des Gastes zusammengestellt und enthält frische Brötchen und Croissants (wenn der Bäcker schon geliefert hat), sonst Sandwichs, Bananen, Joghurt, Äpfel, einen Becher Orangensaft, eine Flasche Vitél und was der Gast sonst noch haben möchte. Der Preis für das Lunchpaket – es kostet je nach Inhalt ab 15 Euro - wird verrechnet, wenn der Gast ein Zimmer mit Frühstück gebucht hatte. Die Differenz wird zurückerstattet. Hotel Hoppegarten: Frühstück zu jeder Tages- und Nachtzeit 160 Zimmer und Suiten hält das Hotel Hoppegarten bei Berlin in unmittelbarer Nähe zur berühmten Galopprennbahn bereit. An den Renntagen auf Deutschlands größter und traditionsreicher Rennbahn füllt sich das Haus mit Pferdesportlern und –liebhabern. „Der Standort unseres Hotels ist zukunftsträchtig, obwohl wir etwas abseits von der Berliner City liegen“, meint Direktor Wolfgang Berkenkamp. Nach einigen Jahren der Stagnation belebt sich jetzt das Renngeschäft in Hoppegarten wieder. Für die diesjährige Saison im Frühjahr und Sommer sind zwölf Rennen geplant. Das Hauptgeschäft macht das Hotel, das über acht multifunktional ausgestattete Tagungsräume und einen großzügigen Wellness-Bereich verfügt, mit Geschäftskunden und Teilnehmern von Seminaren. Für sie lassen sich der Direktor und sein Team immer wieder etwas Neues einfallen, damit sie sich wohlfühlen. Die Ideen reichen von thematischen Frühstücks- und Brunchangeboten bis zum Tontaubenschießen im Wald oder einem kleinen Imbiss in der VIP-Lounge der Galopprennbahn. „Wir wollen gute Gastgeber sein“, so Wolfgang Berkenkamp. Dazu gehöre selbstverständlich auch, dass die Gäste morgens frühstücken können, ehe sie das Haus verlassen. Das ist regulär zwischen 6.30 und 10. 00 Uhr täglich möglich. Im Restaurant Hofgarten wird das große Frühstücksbufett aufgebaut. Es steht jeden Monat unter einem anderen Motto wie Fitness, Fisch oder Bayerische Spezialitäten. „Wenn jemand bei der Rezeption einen Weckruf vor 6 Uhr bestellt, dann fragt ihn die Mitarbeiterin natürlich, ob er vor dem Auschecken noch eine Kleinigkeit essen möchte“, so der Direktor. Der Gast hat dann die Wahl. Er kann gegen einen Aufpreis von 2,50 Euro ein normales Frühstück aufs Zimmer ordern. Oder er lässt sich einen Tisch im Restaurant decken. Kaffee, Tee, Saft, Aufschnitt- und Käseplatte, selbst Eierspeisen sind auch zu sehr früher Stunde kein Problem. Das Personal an der Rezeption ist auf solche Wünsche eingestellt und bereitet alles frisch zu. Auf Wunsch stellt es auch eine Lunchbox zusammen. Die muss allerdings am Abend vorher bestellt werden. Dann kann der Gast bei der frühen Abreise ein Frühstück aus belegten Broten, Ei, Joghurt, Müsliriegel, Orangensaft und Obst mitnehmen. „Unser Hotel liegt nicht weit entfernt vom Berliner Ring. Deshalb haben wir öfter Gäste, die morgens nach Schönefeld zum Flughafen wollen. Die wissen unseren Service am Morgen zu schätzen und geben ihre Erfahrungen an ihre Bekannten weiter“, betont Marketingleiterin Marlies Jakob. Für ihn den Hoteldirektor es keine ungewöhnlichen Zeitpunkt für die erste Mahlzeit am Tage: „Bei uns kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit frühstücken“, so Berkenkamp. Hotel Alter Markt Berlin-Köpenick: Thermofrühstück kommt gut an Das Garni Hotel direkt im Herzen von Köpenicks Altstadt hat oft Gäste, die ihren Tag sehr früh beginnen. Da das Frühstück die einzige Mahlzeit ist, die das Drei-Sterne-Hotel anbietet, legt das Team besonders viel Wert auf Qualität und Abwechslung. „Ein Highlight ist der von unseren Mitarbeiterinnen selbst gebackene Kuchen“, sagt Hoteldirektor Norbert Zobbot. Der findet sich auch auf dem Frühstückstablett der Gäste, die nicht am großen Frühstücksbuffet teilhaben können. „Für Frühaufsteher haben wir ein so genanntes Thermofrühstück kreiert“, erklärt Norbert Zobbot. Auf Wunsch wird dem Gast am Abend vorher ein Tablett vorbereitet, auf dem er alles findet, was zu einer guten ersten Mahlzeit des Tages gehört: Brot und Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade, Butter Obstsalat, Kuchen und frische Früchte. Alles wird auf einem Kühlakku drapiert, damit es über Nacht frisch bleibt. Dazu gibt`s heißen Kaffee oder Tee aus der Thermoskanne. „Die Getränke bereiten die Mitarbeiterinnen der Rezeption am Abend frisch zu. In der Thermoskanne bleiben sie bis zum Morgen kochendheiß“, versichert der Hoteldirektor. Text: Katja Fischer Kasten: Beispiel für ein Frühaufsteher-Frühstück in der Hotellobby • Kaffee/Tee • Croissants, Brötchen, Plundergebäck • Butter • Marmelade/Honig • Orangensaft • Wurst- und Käseaufschnitt • etwas Obst Das kann in die Lunchbox zum Mitnehmen: • Sandwich • Joghurt • Obst (Banane, Apfel) • Müsliriegel, kleine Schokolade oder Keks • kleine Flasche Wasser oder Orangensaft • gekochtes Ei, Salz, Pfeffer
Gastronomie, 5/04
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