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Eltern und Pädagogen, ein sensibles, nicht immer spannungsfreies Verhältnis. Missverständnisse entstehen Leicht. Doch im Interesse der Kinder sind beide Seiten aufeinander angewiesen. Was erwarten sie von einander? Gehen sie aufeinander zu? Was trägt dazu bei, ein vertrauensvolles Klima an den Schulen zu schaffen? Statemantes von Eltern und Pädagoginnen. Manches nicht möglich Simone Thäns, Elternvertreterin an der Europaschule Grundschule Mitte in Eberswalde Ich habe immer „hier“ gerufen, wenn Elternsprecher gesucht wurden. Andere Mütter und Väter warteten mit gesenkten Köpfen ab, bis sich jemand anderes fand. Ich nicht. Für mich ist das eine Chance, in die Welt der Schule hineinzublicken, eine Welt, die mir sonst weitgehend verschlossen bliebe. Die Kinder erzählen ja kaum noch etwas von ihrem Schulalltag. Ich bin jetzt Elternsprecherin in den Klassen meiner beiden Söhne und Mitglied der Schulkonferenz. Das macht mir großen Spaß. Hauptsächlich, weil ich etwas bewegen kann. Ohne Eltern wäre manches an der Schule gar nicht möglich. Zum Beispiel Klassenfahrten. Da müssen immer ein Vater und eine Mutter mitfahren, um die Betreuung der Kinder zu gewährleisten. Bisher ist bei uns noch keine Klassenfahrt in Wasser gefallen. Es fanden sich immer Eltern. Manche nahmen sich extra Urlaub dafür. Das spricht auch für ein gutes Verhältnis zu den Lehrern. Wir sehen, wie sie sich für die Kinder engagieren und bei langen Wandertagen ihre Freizeit dranhängen. Deshalb unterstützen wir sie gern. Wahrscheinlich liegt das Geheimnis unserer guten Zusammenarbeit mit den Lehrern darin, dass wir uns immer gemeinsam etwas Konkretes vornehmen. Da bleibt kein Platz für gegenseitige Vorwürfe und langes Lamentieren, wie sie an anderen Schulen wohl an der Tagesordnung sind. Was nutzt es, nur zu beklagen, dass Geld fehlt? Wenn bei uns zum Schuljahresende das Kopierpapier knapp wird, bringen eben ein paar Eltern welches mit. Schließlich brauchen die Kinder die Arbeitsblätter dringend zum Lernen. Oder das erste Computerkabinett der Schule. Das haben versierte Väter aufgebaut mit ausrangierten Computern aus Firmen. Jetzt hat jeder Grundschüler Zugang zu dieser Technik, unabhängig von seinem Elternhaus. Zusammengeschweißt hat uns auch die Bewerbung um den Titel Europaschule. Das ist nicht einfach nur ein Name, den muss man sich wirklich verdienen, indem man den Europagedanken im Alltag lebt. Die Schüler stolz darauf. In der ganzen Stadt Eberswalde hat sich herumgesprochen, dass an ihrer Schule etwas Besonderes geboten wird. Hier lernen die Kinder schon ab der 1. Klasse Englisch, erst einmal noch nebenbei ohne Zensuren. Richtig Ernst wird es in der 3. Klasse. Dann ist Englisch obligatorisch. Und die zweite Fremdsprache kommt dazu. Die Elternkonferenz hat sich für Polnisch entschieden, weil wir nicht weit weg von der deutsch-polnischen Grenze leben. Es gibt auch schon regelmäßige Schüleraustausche mit einer Schule im polnischen Gorzow. Jetzt scheint jedoch alle Mühe vergebens gewesen zu sein. Unserer Schule droht der Verlust ihrer Identität. Sie soll mit einer Realschule zu einer Oberschule mit integrierter Grundschule verschmelzen. Wir Eltern finden das gar nicht gut und werden Wege finden, uns dagegen zu wehren. Denn wir befürchten, dass die Grundschulbildung vernachlässigt und die jüngeren Schüler untergebuttert werden. Und das nur, weil Geld gespart werden soll. In der Presse kursieren schon verschiedene Summen. Ich denke, eine Stadt wie Eberswalde mit ihren 40 000 Einwohnern kann fünf Grundschulen gut vertragen und sollte die Europaschule erhalten. Sie ist mit ihrem guten Image ein wichtiger Standortfaktor, den man sich nicht sparen sollte. Katja Fischer Keine Partner Romana Hanke, 50, Lehrerin an der Grundschule am Humboldt-Ring, Potsdam Neulich sollten die Kinder im Unterricht einen Nagel beschreiben. Sie wussten gar nicht, was das ist. Ihre Eltern brauchen keine Nägel, denn in der Plattenbausiedlung rund um unsere Schule sind die Wände aus Beton. Da geht kein Nagel rein. Man kann den Kindern und ihren Eltern also keine Vorwürfe machen, dass sie nicht über Nägel sprechen. Schule muss sich dem Leben anpassen, nicht umgekehrt. Natürlich wünsche ich mir, dass Kinder und Eltern mehr normalen Alltag hätten. Doch bei vielen sind nicht einmal gemeinsame Mahlzeiten drin. Dagegen kann ich nichts machen. Was ich tun kann, ist, hier an der Schule in Ruhe mit den Kindern zu frühstücken und gewisse Erziehungsaufgaben zu übernehmen. Ich versuche, Wissenslücken zu füllen. Ich bin die „Naturwissenschaftstante“, die mit den Kindern im Technikraum arbeitet und in Biologie und Physik Projekte und Experimente macht. Den ersten Eindruck von den Eltern meiner Schüler bekomme ich bei der Schuluntersuchung. Schon da beobachte eine Polarisierung, die sich später zuspitzt: Einerseits extrem gleichgültige Mütter und Väter. Andererseits solche, die mir am liebsten vorschreiben würden, wie ich meinen Job zu machen habe. Beides ist schlimm. Am liebsten wäre mir die Mitte, aber die wird seltener. Manchmal empfinde ich tiefe Ohnmacht, weil ich nichts ausrichten kann. Zum Beispiel wollten Eltern die Mathematikschwäche ihrer Tochter einfach nicht wahrhaben. Doch ohne ihre Zustimmung konnte eine spezielle Förderung für das Mädchen nicht eingeleitet werden. Es ist bitter zu sehen, wie die Schülerin sich jetzt recht und schlecht durchschummelt und immer weiter absackt. Das Problem ist, Eltern und Lehrer sehen einander oft nicht als Partner. Ein Wunder ist das nicht. Die Kommunikation besteht größtenteils aus Einträgen im Hausaufgabenheft, die nie etwas Gutes bedeuten. Positives Feedback würden Eltern finden, wenn sie mehr zu Feiern und Projekten in die Schule kämen. Aber fünf bis sechs Eltern pro Klasse nutzen nicht einmal den Elternsprechtag. Wir Lehrer haben da leider keine Druckmittel in der Hand. Ich zeige aber durchaus gegenüber Eltern Courage. Einmal sprach ich einer Mutter Schulverbot aus. Sie trug ihrem Sohn jeden Tag die Mappe bis in den Klassenraum. Ich war der Meinung, mit zehn Jahren kann der Junge das allein. Auch bei einem Vater aus Afghanistan ließ ich nicht locker. Nach mehreren Anläufen stimmte er schließlich zu, dass seine Tochter genau wie ihr Bruder an Klassenfahrten und am Sexualkundeunterricht teilnimmt. Mein Argument, dass beides in Deutschland normaler Unterricht ist, hatte gezogen. Ich kann allerdings jetzt ermessen, was es den Mann gekostet hat, sich von seinen starren Positionen weg zu bewegen. Es tut gut, wenn Lehrer und Eltern gemeinsame Kämpfe durchstehen. Um die Sanierung unserer Schule zu erzwingen, spielten wir vor drei Jahren Christo: Wir verhüllten das Haus, in dem uns schon die Fenster entgegen purzelten, nach dem Motto „Wir schämen uns!“. Die Eltern spendeten dafür eifrig Tücher und Laken. Das war sehr medienwirksam. Am Ende schämte sich auch die Stadt und unsere Schule wurde komplett runderneuert. Uta Alexander
Erziehung und Wissenschaft 12/2006
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