|
Die Kongresshalle am Alexanderplatz macht Hotellerie und ICC Konkurrenz
Von Katja Fischer
Die Kuppel der Kongresshalle am Alexanderplatz ist nicht nur von außen imposant. Innen beeindruckt der Saal mit einem Sternenhimmel aus 576 funkelnden Lichtern. Inzwischen haben schon einige tausend Besucher die denkmalgerecht sanierte Kongresshalle bewundert, die heute Berliner Congress Center heißt.Seit Ende September vergangenen Jahres finden dort wieder Tagungen und Kongresse statt.15 Millionen Euro investierte die Betreibergesellschaft Berliner Congress Center GmbH (BCC) in den Umbau des Gebäudes, das 1961 bis 1964 zusammen mit dem Haus des Lehrers errichtet wurde. Die markante Halbkugel und ihr zwölfgeschossiger Nachbar mit dem Mosaikfries von Walter Womacka verkörpern die realsozialistische Version der Nachkriegsmoderne. Der Entwurf stammt vom DDR-Stararchitekten Hermann Henselmann, der auch am Bau des Fernsehturms und der Karl-Marx-Allee beteiligt war. Nach der Wende wurden seine beiden Häuser trotz ihres zentralen Standortes nur noch sporadisch genutzt. "Wir glaubten immer an die Zukunft der Kongresshalle als Veranstaltungsort", sagt BCC-Geschäftsführer Helo Brackenhoff. Das im Ostteil gegründete Unternehmen hatte schon ab 1990 das Haus am Köllnischen Park übernommen und mit Leben gefüllt. Zu den bekanntesten Events unter den jährlich mehr als 1000 Veranstaltungen zählten dort die großen Bildungsmessen. Daneben gab es Ärztetreffen, Parteitage, Fach- und Verkaufsmessen aller Art. Mit seinem bei der Organisation erworbenen Know-how fühlte sich das 30 Mitarbeiter starke Team gewappnet für das Alex-Projekt. Die Gesellschaft kaufte dem Land Berlin beide Häuser ab und begann 2001 mit der Sanierung. Besonders aufwendig gestaltete sich die Wiederherstellung des Womacka-Mosaiks. 800 000 Steinchen wurden in einer Spezialwerkstatt im Harz aufgearbeitet, defekte Teile ersetzt. Insgesamt fließen 30 Millionen Euro in das Vorhaben, das im Sommer 2004 mit der Übergabe der Büroräume im Haus des Lehrers beendet sein soll. "Mieter wird die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) mit ihren Dienstleistungsgesellschaften", erklärt Brackenhoff. Angesichts des Büroleerstandes in Berlin ist es ein Glücksfall, ein zwölfstöckiges Gebäude auf einen Schlag füllen zu können. Freilich ist die WBM zugleich der wichtigste BCC-Gesellschafter."Wir konzentrieren uns jetzt voll auf die Vermarktung der Kapazitäten der Kongresshalle", sagt der BCC-Chef. Der alte Standort am Köllnischen Park, inzwischen wieder im Besitz der AOK, wurde aufgegeben. Die Kongresshalle ist das Ausweichquartier - und die Auftragsbücher sind bereits gut gefüllt. Für dieses Jahr liegen bereits mehr als 30 größere Buchungen vor. Vorankündigungen für wissenschaftliche Kongresse reichen sogar bis 2012. "Unser Konzept geht auf", zeigt sich Brackenhoff zufrieden. Die BCC konzentriere sich auf Veranstaltungen bis zu 1000 Teilnehmern, die eine originelle Location mitten in der Stadt suchen. Die Kongresshalle wird mit ihrer eleganten Wendeltreppe im Foyer, den schwarzen Schieferplatten auf dem Boden, der türkisblauen Decke und der knallroten Bestuhlung im Saal besonderen Stil-Ansprüchen gerecht. "Wir bewegen uns im zurzeit gefragtesten Marktsegment in Berlin, das aber nur wenige Wettbewerber bedienen können", so Brackenhoff. Hotels hätten meist nur kleinere Räume, das ICC mit 5000 Plätzen sei viel zu groß. Die Kongresshalle bietet sich mit ihrem großen Kuppelsaal und über 20 separaten Räumen für Veranstaltungen an, in denen gleichzeitig im Plenum und in Workshops gearbeitet wird. Es ist auch möglich, mehrere Veranstaltungen gleichzeitig durchzuführen. Flexible Trennwände und Zugänge ermöglichen Kunden individuelle Gestaltungsvarianten. Dazu kommt eine Ausstellungsfläche von rund 3000 Quadratmetern. "Ich denke, wir haben im Bereich der Technik die modernsten Features, die Berlin derzeit zu bieten hat", meint Helo Brackenhoff. So lassen sich heute von jeder Stelle des Hauses aus per Notebook Funktionen wie Klima, Licht und Akustik steuern. Die erfolgreiche Sanierung des Denkmal-Ensembles am Alexanderplatz brachte dem kleinen Unternehmen schon Angebote ein, andere Häuser zu vermarkten. Brackenhoff winkt jedoch ab: "Jetzt sind wir erst einmal ausgelastet.“
Welt am Sonntag, 11. April 2004
|