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Viel Schaum auf wenig Raum
Mit Just-in-time-Produktion schafft das Beiersdorf-Werk am Salzufer von Jahr zu Jahr steigende Stückzahlen
Die Berliner sind die „Schaumspezialisten“ von Nivea. Das Beiersdorf-Werk am Salzufer produziert Duschbäder, Duschgele, Shampoos und Haarspülungen – die so genannten waschaktiven Substanzen des Kosmetikkonzerns. Also alles, was schäumt. Aus dem äußerlich recht unscheinbaren Firmengelände rollen jeden Tag 20 Lkw mit insgesamt einer Million Flaschen voller duftender Pflegeprodukte.
„Die Beiersdorf Manufacturing Berlin GmbH ist der zweitgrößte Produktionsstandort des Hamburger Konzerns, wenn es nach Tonnage und Stückzahl geht“, erklärt Geschäftsführer Thomas Rupprecht. Darauf ist er besonders stolz, weil das Werk mit seinen gerade einmal 8 900 Quadratmetern Gesamtfläche zugleich eines der kleinsten im Konzern ist. Beiersdorf hatte das Firmengelände samt Werk 1980 gekauft. Seitdem wurde am Salzufer Ecke Franklinstraße unter dem Namen Cosmed-Produktions GmbH produziert. Seit 1. Februar 2009 firmiert das Werk nun unter Beiersdorf Manufacturing Berlin GmbH (BMB).
Nach einer europaweiten Standortkonsolidierung bei der Beiersdorf AG in den Jahren 2005 bis 2007, bei der das Werk im niederländischen Almere geschlossen wurde, übernahm das Berliner Werk schrittweise zusätzlich dessen Sortiment und Anlagen. Ein kleines Raumwunder musste vollbracht werden, um Platz dafür zu schaffen. In den letzten 3 Jahren stieg die Produktion um das Zweieinhalbfache. Das durchgehende Drei-Schicht-System wurde eingeführt, neue Mitarbeiter angeheuert. Während 2005 noch 140 Mitarbeiter im Werk beschäftigt waren, sind es heute über 210. An sieben Konfektionierungslinien werden die Produkte abgefüllt und etikettiert.
Und die Nachfrage steigt und steigt. Besonders in Westeuropa, Polen und Russland kaufen die Kunden gern Nivea-Produkte. Für den Geschäftsführer bedeutet das, immer größere Stückzahlen zu realisieren. „Für 2009 sind 285 Millionen Flaschen geplant, im nächsten Jahr wollen wir die 300-Millionen-Marke knacken.“
Die schnellste Konfektionierungsanlage schafft 300 Flaschen pro Minute, andere nur 180. „Wir müssen aufs Tempo drücken und wollen uns auch noch weiter verbessern“, so Thomas Rupprecht. „Nur durch die kontinuierliche Qualifizierung der Mitarbeiter ist die permanente technische Weiterentwicklung erfolgreich zu bewältigen. Aber es ist für die meisten auch eine Herausforderung. Sie haben jetzt mehr Verantwortung als früher, und die Arbeit ist interessanter und abwechslungsreicher geworden.“
Da Nivea permanent neue Schampoos und Duschgele auf den Markt bringt, verändert sich auch ständig das gesamte Produktionssortiment des Werkes. Innovationskraft ist eine der größten Stärken des Hamburger Beiersdorf-Konzerns. Von den Berlinern verlangt das hohe Flexibilität. „In Hamburg kreieren die Forscher neue Formeln in ihren 10-Gramm-Reagenzgläsern. Wir setzen dann zusammen mit den Hamburger Kollegen die Rezepturen im Großindustriemaßstab um“, so Thomas Rupprecht. Viel Berufserfahrung und Fingerspitzengefühl sind dafür nötig. Eines der Erfolgsprodukte zur Zeit ist ‚Water Lily’, ein rosa Duschbad von Nivea, das frisch riecht und einen Peelingeffekt hat. „Es ist recht kompliziert herzustellen, weil die kleinen Perlen in der Flüssigkeit sehr empfindlich sind und schonend hergestellt werden müssen. Aber der Erfolg im Markt zeigt, daß sich der technische Aufwand unserer Ingenieure gelohnt hat.“
Trotz der großen Stückzahlen, die täglich produziert werden, ist der Warenausgangsbereich des Werkes fast völlig leer. „So soll es sein“, erklärt der Geschäftsführer. „Mangels Lagerfläche müssen wir zwangsläufig auf eine Just-in-time-Produktion setzen.“ Die Zulieferer liefern ihre Waren punktgenau an und die fertigen Produkte werden sofort abgeholt. Sie werden im externen Lager in den Borsighallen zwischengelagert und dann zu den europäischen Beiersdorf-Töchtern transportiert, die schließlich ihre Kunden damit beliefern. „Früher wurde alles in die Zentrale nach Hamburg gefahren und von dort auf die Kundschaft verteilt. Jetzt haben wir eine kostengünstigere und zugleich umweltfreundliche Lösung gefunden.“
Es ist ein großer Vorteil, dass viele der Beiersdorf-Zulieferer aus der Region kommen. Der Berliner Flaschenliefererant Bepla kann auf die Minute genau da sein. Und auch die Firma Wepoba, die Beiersdorf mit Versandkartons versorgt, hat es aus Wustermark nicht weit in die Berliner City. „Mit unserem Standort sind wir ganz zufrieden“, sagt der Geschäftsführer. Er ist zentral und verkehrsgünstig, was auch für die Mitarbeiter im Schichtbetrieb besonders wichtig ist.
Seit April 2009 ist das Werk am Salzufer nicht mehr der einzige Ableger der Hamburger Beiersdorf AG in der Hauptstadt. Unter den Linden wurde das Nivea-Haus eröffnet, das bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt ist. Auch Thomas Rupprecht geht mit Kunden und Geschäftspartnern gern dorthin. Denn in dem großzügig angelegten Wellness-Tempel kommt die Traditionsmarke Nivea besonders effektvoll zur Geltung. Und von der Produktion im Sekundentakt ist dort in den Kaiserhof-Passagen ganz und gar nichts zu spüren.
Katja Fischer
Berliner Wirtschaft 01/2010
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