Handwerk wirbt mit Qualitätssiegel

Innung geht gegen Dumping und Schwarzarbeit vor

Reiner Fischer

BERLIN, 14. November. Nach Schätzungen des Arbeitskreises der Berliner Innungen beträgt das "Schattenwirtschafts-Volumen" in der Stadt jährlich bis zu 30 Milliarden Mark (15 Milliarden Euro). Die Schwarzarbeit vernichtet zwischen 90 000 bis 110 000 Arbeitsplätze in der offiziellen Wirtschaft, so die jüngste Erhebung. 35 000 Berliner Handwerksbetriebe sind von dieser Entwicklung im besonderen Maße negativ betroffen. "Schwarzarbeit und Illegale verdrängen zunehmend die sich gesetzestreu verhaltenden handwerklichen Innungsbetriebe vom Markt", sagt Jürgen Wittke, Geschäftsführer der Maler- und Lackierer-Innungen.
8 000 arbeitslose Maler
Allein in Berlin gibt es aktuell 8 000 arbeitslos gemeldete Maler. Nachforschungen der Innung haben jedoch ergeben, dass es allein über Kleinanzeigen in den Zeitungen in diesem Jahr rund 1 700 illegale Anbieter für Malerarbeiten gab. Ihnen stehen 1 350 legale Innungs-Malerbetriebe gegenüber.
Seit Januar 2001 mussten bisher 500 Handwerksbetriebe in Berlin aufgeben. Um diesem Trend entgegenzuwirken und vor allem das Image der Innungen bei der Bevölkerung stärker zur Geltung zu bringen, wurde jetzt die Initiative "Wenn Handwerk - dann Innung" gestartet. Vorerst zehn Innungen, die mehr als 5 000 Fachbetriebe mit über 50 000 Beschäftigten vertreten, haben sich zu diesem Schritt entschlossen. Darunter befinden sich unter anderem die Innungen der Bäcker, der Fleischer, der Maler- und Lackierer, der Textilreiniger, der Tischler sowie die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg. "Die Initiative hat das Ziel, das Markenbewusstsein des Kunden für die handwerkliche Leistung zu schärfen", sagte Wittke. Gezielte Weiterbildung soll zudem dazu beitragen, dass die Handwerker künftig bessere Qualität liefern. Die Teilnahme an der Innung soll gleichzeitig als Qualitätssiegel gelten.
Die gravierendsten Probleme, mit denen sich die Berliner Handwerksbetriebe gegenwärtig auseinander setzen müssen, sind Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Lohndumping. Von der Berliner Politik fordern die Fachbetriebe deshalb kein aufwändiges Konjunkturprogramm, sondern die Herstellung gleicher und verlässlicher Wettbewerbs- und Rahmenbedingungen für alle Marktanbieter. "Die Diskriminierung der regionalen Fachbetriebe muss beseitigt werden", fordert Rolf Sterzel, Geschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau. Um besser auf die Probleme des Handwerks aufmerksam zu machen, wurde ein Innungsbeirat beim Wirtschaftssenat als beratendes Gremium angeregt.

Berliner Zeitung, 15.11.2001






 

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