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Sicherheitsglas für Pinguine und Beamte
Die Firma Hauk aus Berlin schützt mit ihren Hightech-Produkten gefährdete Objekte in aller Welt
Uta Alexander
BERLIN, 27. Februar. Es gibt Fernsehbilder aus Krisenregionen der Welt, nach denen Franz Hauk fest mit einem Anruf rechnet. "Wenn deutsche Botschaftsgebäude beschädigt sind, wie im Irakkrieg, müssen wir sofort Ersatzteile liefern", sagt er. "Und zwar per Luftfracht. Das wird dann teuer." Franz Hauk ist Inhaber der Hauk Stahl- und Leichtmetallbau GmbH in Berlin-Charlottenburg, einem der großen Anbieter von Hochsicherheitstechnik in Deutschland mit 70 Mitarbeitern. Rund 200 Botschaften und Konsulate der Bundesrepublik auf allen fünf Kontinenten stehen auf der Referenzliste seines Unternehmens. Sicherheitstechnik ist zwar extrem materialaufwändig und schwer. Beispielsweise wiegt das vier Meter hohe und acht Zentimeter dicke Fenster im Eingangsbereich der Botschaft in Chile rund 1,5 Tonnen. Es steckt aber so viel Know-how in den Konstruktionen, dass es sich lohnt, sie um die halbe Welt zu schicken, normalerweise in Containern per Schiff. Amtlich geprüft Häufig werden Hauk und seine Mitarbeiter als Berater an Brennpunkte gerufen: Kuweit, Bagdad, Kabul, Islamabad, Lima, Bogota, Algier und viele andere. Manchmal sind sie selbst in gepanzerten Fahrzeugen unterwegs. "Der 11. September 2000 hat überall das Sicherheitsdenken verstärkt", beobachtet Franz Hauk. "Sowohl öffentliche als auch private Auftraggeber wollen ihre Gebäude gegen schwere Angriffe schützen." Mit der Nachfrage wachse die Zahl der Anbieter auf dem Markt für Hochsicherheitstechnik. "Allerdings wagen sich Neueinsteiger damit auf ein gefährliches Terrain. Sie müssen wissen, auch in unserer Branche greift die Produkthaftung. Wird eine angeblich sichere Tür aufgebrochen und kommt es sogar zu Personenschäden, möchte ich nicht in der Haut des Herstellers stecken. In der des Kunden natürlich auch nicht." Hauks Firma, ursprünglich ein alteingesessener Berliner Metallbaubetrieb, der Schaufenster aus Aluminium oder Stahl fertigte, befasst sich seit 25 Jahren mit den Raffinessen der Sicherheit. Damals, in der RAF-Zeit, entwickelte sie im Auftrag der öffentlichen Hand spezielle Fenster, Türen und Fassadenelemente für Haftanstalten und Justizgebäude. Das Ingenieurteam ist heute mit zehn diplomierten Metall- und Maschinenbauern für einen mittelständischen Betrieb stark besetzt. Seine Konstruktionen sind amtlich geprüft und vielfach patentiert. Vor solchen Weihen muss jegliche Sicherheitstechnik allerdings mehrstufige Härtetests überstehen. Im Institut für Fenstertechnik Rosenheim etwa geht man erst mit einer Art Rammbock auf sie los. Dann versuchen hydraulische Stempel, Verschlussteile wie Fenstergriffe, Scharniere und Klinken abzubrechen, die immer als besondere Schwachstellen gelten. Zuletzt gehen fiktive Einbrecher mit Spezialwerkzeug ans Werk. "Die sind extrem kreativ und hartnäckig", sagt Hauk. Im Beschussamt Ulm, wo Experten Bauteile systematisch unter Feuer nehmen, ist der Berliner oft selbst dabei. Rund zwei Drittel der für schusssicher erklärten Objekte bestehen hier die Prüfungen nicht. Hauks jüngste patentgeschützte Entwicklung, die sogenannte "Visa 2000", hat sich in Ulm behauptet. Die elegant wirkende Kompaktversion einer modernen Schalteranlage bietet dem Beamten dahinter bei vertretbarem Aufwand maximale Sicherheit. "Wir verkaufen die Visa 2000 gut, weil sie transportabel und vielfältig verwendbar ist. Auf Flughäfen, in Botschaften, eigentlich überall, wo Kontrollen erfolgen oder wichtige Papiere ausgegeben werden", sagt Franz Hauk. Etwa 6,5 Millionen Euro Umsatz erzielt die Hauk GmbH jährlich. Der Anteil der Sicherheitstechnik liegt bei 30 bis 40 Prozent. Das spezielle Know-how erweist sich aber in allen kniffligen Baufragen als nützlich. Für die Robbenanlage und das Pinguinhaus im Berliner Zoo, wo die Besucher die Tiere unter Wasser beobachten können, entwickelten Hauk-Konstrukteure die Unterwasserverglasung. Mit Partnern wie dem Brandenburger Glaswerk Linthe und dem Berliner Löwe-Glas optimieren sie Lösungen für Wärme- und Schallschutz. Stolz ist Hauk auch auf seine Qualität beim Korrosionsschutz und auf Lösungen für Denkmal geschütze Immobilien. So bekam ein Geschäftshaus am Kudamm, wo äußerer Sonnenschutz die Optik gestört hätte, in Doppelfenster eingebaute Jalousien. Franz Hauk kann auch Türen bauen, die beinahe unsichtbar sind. Eine ist im Auswärtigen Amt am Werderschen Markt in Berlin. "Es ist die wohl meistgefilmte Tür Deutschlands", glaubt er. " Denn fast immer stellen sich die Journalisten davor, wenn sie aus dem Amt berichten. Die winzige Fuge in der Wand sieht man aber nur, wenn man von der Tür weiß."
Berliner Zeitung, 28.02.2005
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