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Schauexperten statt Showtalente
Große Nachfrage nach neuem Berufsbild Veranstaltungskaufmann
Von KATJA FISCHER
500 Bewerber meldeten sich, als die Messe Köln in diesem Jahr einen Ausbildungsplatz für den neuen Beruf „Veranstaltungskaufmann“ ausschrieb. Bei der Messe Düsseldorf gab es 360 Nachfragen. „Die Vorsilbe Veranstaltung zieht die jungen Leute an“, sagt Rolf Weber, Personalleiter der Messe Düsseldorf. „Um die Ausbildung als klassischer Bürokaufmann bewerben sich bei uns nur höchstens 50 Leute pro Jahr.“ Seine Kollegin Daniela Nolden von der Messe Köln hat ähnliche Erfahrungen: „Wir müssen unsere Azubis immer etwas von ihren Illusionen abbringen, sie würden in der bunten Welt des Showbizz leben. Es handelt sich doch um einen sehr bodenständigen Beruf mit kaufmännischen und administrativen Inhalten.“
Seit August 2001 gibt es das Berufsbild Veranstaltungskaufmann. Es umfasst eine dreijährige duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Im ersten Jahr begannen bundesweit 360 Azubis ihre Lehre. 2002 kamen noch einmal 575 dazu. Ein Initiator des neuen Berufsbildes ist der Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA). Er reagierte damit auf die Bedürfnisse seiner Mitgliedsunternehmen und begleitet die Entwicklung der Ausbildungsinhalte bis heute. Hermann Kresse, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des AUMA: „Gegenwärtig sind wir dabei, Schulungsmaterial für Ausbildungsbetriebe und Berufsschule zu erarbeiten.“
Nicht nur die Messewirtschaft ist das Einsatzgebiet künftiger Veranstaltungskaufleute. Sie können auch bei Konzertveranstaltern, Gastspieldirektionen, Künstleragenturen, Marketing- und Eventagenturen, Museen oder Opernhäusern arbeiten. Die meisten werden aber bei Veranstaltern von Tagungen und Kongressen zum Einsatz kommen. Auch in der kommunalen Verwaltung, zum Beispiel in Stadt- und Mehrzweckhallen, in Kultur- und Jugendämtern sowie im Stadtmarketing besteht Bedarf nach ihrer Qualifikation. Birte Kadatz lernt im zweiten Jahr im Hotel Estrel in Berlin. Die Abiturientin bekam gleich nach der ersten Bewerbung ihre Lehrstelle. „Das war ein absoluter Glücksfall. Die Ausbildung macht viel Spaß.“
Der Veranstaltungskaufmann ist ein Beruf, der kaufmännische, technische und kommunikative Kompetenzen verbindet. Er muss nicht nur Veranstaltungen konzipieren und entwickeln, sondern sie auch kalkulieren. „Es ist eine große Verantwortung, denn es kann sich manchmal um beträchtliche Budgets handeln“, sagt Daniela Nolden.
Trotzdem muss der Veranstaltungskaufmann auch Details im Blick haben. Seine Zuständigkeit reicht von der Bereitstellung der Tagungstechnik bis zu Catering und Saalbestuhlung.
Entsprechend streng ist die Auswahl der Bewerber. Neben einem guten Zeugnis werden Eigeninitiative, Teamgeist, Offenheit und gute Kommunikationsfähigkeit erwartet. Veranstaltungskaufleute müssen auch besonders flexibel sein, da sie in der Regel projektorientiert arbeiten.
„Es sind sehr handfeste Leute“, sagt Berufsschullehrer Kai Rieser vom Berliner Oberstufenzentrum für Handel 1 über seine Azubis. 210 Veranstaltungskaufmann-Lehrlinge werden dort zur Zeit ausgebildet, 80 Prozent haben Abitur. „Das sind mehr als Werbekaufleute, obwohl der Beruf noch so neu ist“, so Rieser. Er unterrichtet Veranstaltungsbetriebslehre und allgemeine Wirtschaftslehre. „Zwar gibt es einen bundeseinheitlichen Rahmenplan für den Ausbildungsberuf, aber die Einzelheiten werden in den Ländern spezifiziert. Das machen wir gerade. Wir sind dabei, die Lehrpläne zusammenzustellen und kooperieren eng mit den Ausbildungsbetrieben“, erklärt der Berufschullehrer. Das Interesse der Praktiker sei ungewöhnlich groß. Auf die letzte Einladung seien 45 Firmenvertreter in die Berufsschule gekommen. Gewöhnlich reagierten nur vier bis fünf.
Die insgesamt sechs Veranstaltungskaufmann-Azubis bei der Messe Köln haben gerade ihre ersten Prüfungen mit guten Erfolgen abgeschlossen. Wie ihre Berufschancen nach der Ausbildung aussehen, muss sich erst noch zeigen. „Messen und Veranstaltungen wird es immer geben, aber bei schlechter Wirtschaftslage vielleicht nicht mehr so viele und mit geringeren Budgets“, befürchtet Daniela Nolden. Ähnlich wie in der Medien- und Internetbranche seien aktuell viele kleine und mittlere Anbieter in ihrer Region in Schwierigkeiten und verzichteten deshalb auf Neueinstellungen.
Kai Rieser aus Berlin sieht die Chancen für die Absolventen dagegen ausgesprochen optimistisch: „In Berlin-Brandenburg ist die Messe- und Veranstaltungsbranche mittelständisch geprägt. Da besteht hoher Bedarf an Fachleuten.“
Die Welt, Rubrik Berufswelt 21.12.2002
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