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Maschinenbau made in Berlin verkauft sich gut in der Welt
Mit innovativen Produkten erobern Mittelständler internationale Märkte - Exportquote liegt bei 25 Prozent
Von Katja Fischer
Passanten der Millenium-Bridge in London haben es dem Erfindungsgeist von Berliner Ingenieuren zu verdanken, daß sie das spektakuläre Bauwerk jetzt ohne flaues Gefühl in der Magengrube überqueren können. Eine Reinickendorfer Firma befreite die Brücke von unerwünschten Schwingungen. Nach der Inbetriebnahme im Jahr 2000 war sie durch den Besucheransturm dermaßen aufgeschaukelt worden, daß sie sich bis zu 100 Millimeter hin- und herbewegte. Die Leute hielten sich an der Balustrade fest, aus Angst, ihr Gleichgewicht zu verlieren. Für die Ingenieure der Reinickendorfer Firma Gerb Schwingungsisolierungen war das keine große Sache. Sie bauten ihre in Berlin entwickelten Schwingungstilger ein, die jede Bewegung der Brücke gegen null dämpfen. Gerb ist nur eines von vielen innovativen, hochspezialisierten mittelständischen Unternehmen der Hauptstadt, die weltweit einen guten Namen haben. Seit 100 Jahren verschreibt sich das von William Gerb gegründete Team den Schwingungen. Es sichert Brücken, Gebäude, Schiffe, Verkehrsanlagen und Industrieanlagen gegen Erschütterungen, isoliert Maschinen und Anlagen gegen Vibrationen. Mit zehn Niederlassungen und 320 Mitarbeitern ist es in allen wichtigen Regionen der Welt präsent. An fünf Standorten wird auch produziert - in Deutschland, Indien, China, Frankreich und Brasilien. "Das bringt uns den Vorteil, daß wir bei größeren Aufträgen die Kapazitäten bündeln können", erklärt Gerb-Geschäftsführer Horst Schmidt. Außerdem profitiere man von den niedrigen Produktionskosten im Ausland. "Das hilft, unseren Standort in Berlin zu sichern", sagt Schmidt. Als Vorsitzender des Ausschusses für Außenwirtschaft der IHK Berlin rät er Firmen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen, den Schritt ins Ausland zu wagen. "Man muß sich einfach trauen, auch als Mittelständler. Nach unseren Erfahrungen wird man in den meisten Ländern professionell unterstützt." Allerdings dürfe man nicht erwarten, sofort Gewinne zu machen. "Man braucht einen langen Atem. Aber die Investitionen zahlen sich aus."Im Jahr 2003 lag die Exportquote der Berliner Industriebetriebe nach Berechnungen des statistischen Landesamtes bei 25 Prozent. Die schwachen Impulse zur wirtschaftlichen Belebung kamen vor allem aus dem Export, kaum aus der Binnennachfrage, konstatiert die Wirtschaftsverwaltung. Mittelständische innovative Firmen trugen mit ihrem guten Ruf nicht unwesentlich zur Berliner Exportbilanz bei. Wie die Lichtmeßtechnik GmbH Berlin. Sie hat ihre Homepage im Internet in englisch verfaßt. Denn die Kundschaft des kleinen Unternehmens sitzt in der ganzen Welt. Die 23 Mitarbeiter arbeiten in einem sehr speziellen Segment. Sie sind Weltmarktführer bei der Lichtmeßtechnik. Geschäftsführer Raymund Hammer: "Wir arbeiten für die großen Lampenhersteller Osram, Philips und General Electric, für andere Beleuchtungshersteller und vor allem für die Autoindustrie. Unsere Exportquote liegt bei über 80 Prozent." 200 Labore habe die GmbH, die 30jähriges Bestehen feiert, weltweit installiert.Den Markennamen Telefunken hält die Telefunken Sendersysteme AG in Spandau hoch. Das im Jahr 2000 aus der liquidierten Telefunken-Sendertechnik von Mitarbeitern gegründete Unternehmen baut Sender für Rundfunk- und Fernsehanstalten in aller Welt. "Ein Ende des Bedarfs an modernen Sendern ist nicht zu erkennen", betont der Vorstandsvorsitzende Jochen Huber. Seine Firma sei gemeinsam mit Unternehmen, Organisationen und Sendeanstalten aus 29 Staaten an dem globalen Projekt Digital Radio Mondiale (DRM) beteiligt. Das dient der Umstellung der Mittel-, Lang- und Kurzwelle auf digitalen Betrieb und wird als wichtigster Rundfunkstandard der Zukunft angesehen. "In Berlin beschränken wir uns auf unsere Kernkompetenzen Entwicklung, Prüfung und Endmontage beim Kunden", erläutert Huber. "Alle anderen Arbeiten werden an Firmen vergeben, die nach unseren Vorgaben und scharfen Qualitätsnormen produzieren." Jochen Huber ist davon überzeugt, daß diese Form der Produktion seinem Unternehmen die Zukunft sichert und gleichzeitig Arbeitplätze in der Region schafft. Das alteingesessene Berliner Maschinenbauunternehmen Flemming & Pehrsson arbeitet für die Autoindustrie. Es stellt mit 35 Mitarbeitern Prägemaschinen für alle namhaften Hersteller von General Motors, Daimler-Chrysler, VW, Toyota bis Fiat oder Ford her.Flemming & Pehrsson ist Weltmarktführer bei Numerier-Präge-Automaten. Acht Vertriebsgesellschaften sorgen dafür, daß der Exportanteil zwischen 70 und 80 Prozent liegt. Geschäftsführerin Regina Seidel will die Chancen der Globalisierung weiter nutzen: "Wir setzen auf unsere Stärken als Mittelständler: schnelle Reaktion auf Kundenwünsche, höchste Qualität und kurze Lieferzeiten." Auch die Berliner PUK-Werke würden ihre in Berlin und im Eifelort Schönecken hergestellten Kabeltragsysteme gern mehr im Ausland vertreiben. "In Polen und Spanien sind wir auch schon recht erfolgreich", unterstreicht PUK-Geschäftsführer Eberhard Matiebel. Aber die Konkurrenz sei groß. "Unsere Produkte sind von hoher Qualität und haben deshalb ihren Preis. Damit müssen wir uns gegen Wettbewerber durchsetzen, die einfachere, aber nicht so hochwertige Lösungen anbieten."Vom Außenwirtschaftsausschuß der IHK Berlin erhofft sich Matiebel daher auch Anregungen, um seine Auslandsstrategie erfolgreicher durchzusetzen.
Welt am Sonntag, 10. Oktober 2004,
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