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Die Pumpen-Spezialisten
Das Berliner Unternehmen Uhthoff & Zarniko beliefert einige der größten Wasserwerke der Welt
Reiner Fischer
BERLIN, 3. April. Als die Kreuzberger Firma Uhthoff & Zarniko in den 70er-Jahren die Berliner Wasserbetriebe als einen ihrer ersten Kunden gewann, dachte sie, sie hätte einen ganz großen Fisch an der Angel. Doch alles ist relativ. Heute arbeitet das Unternehmen für die Moskauer Wasserbetriebe MosWodoKanal. Zusammen mit einer finnischen Firma liefert Uhthoff & Zarniko zwei Rührwerke für das Klärwerk Ljuberzy. "Das hat ganz andere Dimensionen", schwärmt Geschäftsführer Joachim Zarniko. "Mit seiner Kapazität von drei Millionen Kubikmeter Abwasser pro Tag ist das Moskauer Werk weltweit eines der größten Klärwerke überhaupt." Zum Vergleich: Die Klärwerke der Berliner Wasserbetriebe kommen auf einen täglichen Durchfluss von etwa 495 000 Kubikmeter pro Tag. Russland zählt inzwischen zu den wichtigsten Absatzmärkten für das mittelständische Berliner Unternehmen. "Das hätten wir uns zu Mauerzeiten nie träumen lassen. Damals haben wir nicht viel über das Land gewusst." Ware gegen Vorkasse Heute sind die Pumpenspezialisten mit einem eigenen Büro in Moskau präsent. 2003 wurde es eröffnet. Die Kundenkartei enthält bereits ein Dutzend Firmen aus St. Petersburg bis jenseits des Urals. Dazu gehört zum Beispiel Aktikgaz, ein Unternehmen des Energieriesen Gazprom. Mit dem amerikanischen Lebensmittelkonzern Kraft Food wurde ein Vertrag über die Wartung und Instandhaltung von 200 Pumpen und Pumpenanlagen in dessen Schokoladenwerk Prokov bei Moskau verlängert. "Wir sind froh, dass wir auf dem russischen Markt so gut Fuß fassen konnten. Die Region hat einen enormen Nachholbedarf an Pumpen, Pumpanlagen und bei deren Wartung und Reparatur", betont Zarniko. Profitieren konnten die Berliner Spezialisten vom guten Ruf deutscher Produkte in Russland. "Deutsches Knowhow steht für Qualität und Wertbeständigkeit. Das lassen sich die Russen auch etwas kosten", sagt Zarniko. Doch nicht nur auf die Qualität der Produkte komme es an, auch auf die Art, wie man mit den Russen verhandele. Zarniko: "Wichtig ist, dass die Beziehungen nicht nur auf der rein technischen Ebene funktionieren. Man muss sich auf die Mentalität der Menschen einlassen und eine gemeinsame Sprache finden. Die Russen schätzen es sehr, wenn man sich persönlich als Mensch einbringt." Die finanzielle Abwicklung der Russlandgeschäfte laufe reibungslos, wenn einige Grundregeln beachtet werden. "Wir liefern ausschließlich gegen Vorkasse. Dann gibt es zahlungstechnisch nicht die geringsten Probleme", betont der Geschäftsführer. Über 30 Jahre agieren die Pumpenspezialisten aus Kreuzberg schon auf dem nationalen und internationalen Markt. Dabei erwarben sie sich einen ansehnlichen Ruf. "Das liegt an unserer Strategie", sagt der Diplomingenieur. Als er und sein Kollege und Freund Hans Uhthoff 1971 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hatten, legten sie den allergrößten Wert auf Qualität und Zuverlässigkeit. Ihr Firmenkonzept basiert darauf, alle mit dem Pumpengeschäft zusammenhängenden Aktivitäten in einem Unternehmen zu bündeln. "Für die damalige Zeit war das ein Novum. Die wirtschaftlichen Risiken waren schwer zu kalkulieren. Wir mussten alles selbst finanzieren und konnten keine Fördermittel in Anspruch nehmen", so der Firmenchef. Heute reicht die Angebotspalette des Unternehmens von Pumpen für Industrie, Handel und Gebäudetechnik bis hin zum Zubehör für Überwachungsgeräte, Armaturen und Module für die leistungsstarke Antriebstechnik. Zum Beratungsumfang gehören neben der Projektierung, Planung und Berechnung von wassertechnischen Anlagen auch die Entwicklung von Pumpen für Sonderzwecke. Die 40 Mitarbeiter erwirtschaften jährlich einen ansehnlichen Umsatz im Millionen-Euro-Bereich. Regelmäßige Schulungen sorgen dafür, dass sich der ISO-zertifizierte Betrieb schnell an die Anforderungen des Marktes anpassen kann. Der feste Kundenstamm von Uhthoff & Zarniko umfasst neben Unternehmen aus Deutschland und Russland mehrere Firmen in Saudi-Arabien, Israel, Indien und den USA. "Wir wollen weiter wachsen, auf vernünftiger verlässlicher Grundlage. Es geht uns nicht um Expansion um jeden Preis", unterstreicht Joachim Zarniko. Er kümmert sich besonders um die geschäftlichen Aktivitäten in Osteuropa und Russland. Sein Sohn Peer, inzwischen im väterlichen Betrieb als Prokurist tätig, ist für das Chinageschäft verantwortlich. Dabei konnte er schon einen großen Erfolg verbuchen. Im Februar erhielt Uhthoff& Zarniko den Zuschlag für die Projektierung und Lieferung von zwei Druckerhöhungsanlagen für das Wohngebiet Kowloon Whampoa Garden in Hongkong. "Der Auftrag für das Pilotprojekt ist Bestandteil einer komplexen Modernisierung der Wasserversorgung für 250 000 Wohneinheiten," sagt Peer Zarniko. Klospülung mit Meerwasser Das Besondere daran sei, dass die Wasserversorgung in Hongkong über zwei getrennte Rohrleitungsnetze erfolgt: ein Netz für Trinkwasser und eines für Meerwasser, das als Brauchwasser genutzt wird, beispielsweise für die Toilettenspülung. "Wenn alles gut läuft, können wir bis 2006 noch 52 solcher Anlagen installieren". Joachim Zarniko blickt optimistisch in die Zukunft. "Das Jahr 2004 war für uns ein ausgesprochenes Boom-Jahr. Vor allem das Russland-Engagement trug dazu bei, dass die Auftragsbücher weiterhin voll sind. In den letzten zwei Jahren konnten wir jeweils eine Umsatz-Steigerungsrate von 15 Prozent vorweisen. Das haben wir uns auch für 2005 vorgenommen." Berliner Zeitung, 04.04.2005
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