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Im Saftladen kommt der Kunde auf den guten Geschmack
Erntefrische Getränke aus dem Fabrikverkauf der Kelterei Buchholz - 34 verschiedene Sorten werden angeboten
Von Katja Fischer
Ein Saftladen der Extraklasse ist der Fabrikverkauf der Kelterei Buchholz. Aus dem kleinen im Nordosten Berlins gelegenen Betrieb kommen 34 verschiedene Sorten Fruchtsaft, Sirup und Obstwein. In einer eher spartanischen Lageratmosphäre bedient Dieter Breitbarth seine Kunden. Hier gibt es die Getränke, die auch im Einzelhandel verkauft werden, um 15 bis 25 Prozent billiger als im Geschäft. Der Lebensmittelingenieur, der auf den hohen Vitamingehalt seiner Ware schwört, ist seit 1968 in der Kelterei. Wenn er nicht verkauft, findet man ihn in der Produktion oder Verwaltung. "Den Laden hier gibt es seit 1934. So alt ist auch unser Betrieb", sagt Breitbarth. Zur DDR-Zeit war Fabrikverkauf nicht erlaubt. Gleich nach der Wende fing die Kelterei damit an. "Erst hatten wir eine ziemliche Flaute. Die Leute probierten den Tütensaft aus dem Westen, der viel billiger war. Inzwischen wissen sie, dass unsere Ware besser schmeckt", ist Breitbarth überzeugt. Sie würden außerdem ohne Konzentrate hergestellt. Zu den Verkaufstagen Montag bis Sonnabend kämen immer bis zu 50 Kunden, die oft ganze Getränke-Kästen mit nach Hause nehmen. Alles, was angeboten werde, stamme direkt aus der Region in und um Berlin. Nur für tropische Säfte kommen die Zutaten von weither.Gerade beginnt in Buchholz die Annahme von Äpfeln und Birnen aus der diesjährigen Ernte, die bis in den Oktober hineingeht. Vorher waren Kirschen und Johannisbeeren an der Reihe. Viele Kleingärtner bringen ihre Früchte in die Mosterei. Auch dieser Service sei inzwischen wieder begehrt. Der Kunde bringe volle Obst-Stiegen und könne Most oder Wein gleich mitnehmen. "Das lohnt sich für unseren Betrieb und für die Kunden gleichermaßen", erklärt Breitbarth. Der Aufwand, zu Hause selbst zu mosten, sei einfach viel zu groß. Und der Hausmacher-Geschmack sei auch in seiner Kelterei garantiert.Am liebsten kaufen Berliner in Buchholz Apfelsaft. Aber es gebe auch Feinschmecker, die eine Vorliebe für die herbe schwarze Johannisbeere oder Sauerkirsch haben. Diese Säfte heißen übrigens Nektar, weil ihnen wegen des hohen Säuregehaltes etwas Zucker zugesetzt ist.Probieren ist im Fabrikverkauf nur in Ausnahmefällen möglich. Denn bei der Vielzahl der Sorten blieben zu viele Reste. Nur neue Kreationen führt Breitbarth vor. Zuletzt einen Hugenotten-Cidre, so benannt, weil das neue Wohnquartier Französisch-Buchholz in der Nachbarschaft sich auf diese Vorfahren beziehe. Der nicht ganz durchgegärte Apfelsaft enthält Alkohol, aber viel weniger als Wein, und prickelt. "Das kam bei den Leuten sehr gut an", freut sich der Verkäufer. Eine treue Fangemeinde holt seit Jahren Obst-Weine aus Buchholz. Apfel-, Kirsch- und Erdbeer-Tischweine sind die Renner. Die meisten Kunden nutzten den Sonnabend zum Einkaufen.
Der WELT-Tip: Buchholzer Kelterei Breitbarth, Triftstraße 2-8, 13127 Berlin, Telefon: 47 47 17 60, Telefon Mosterei: 47 47 17 62 oder 400 34 67.Öffnungszeiten Fabrikverkauf: Montag bis Freitag 8.00 bis 16.00 Uhr, Mittwoch 8.00 bis 18.30 Uhr. Samstag: 8.00 bis 13.00 Uhr.
Welt, 23. August 1999
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