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Leuchten für die Hauptstadt
Die Lichttechnik-Firma Semperlux aus Berlin ist längst international erfolgreich tätig, aber noch immer zu 100 Prozent in Familienbesitz
Von Reiner Fischer
Was haben das Bundeskanzleramt, das Paul-Löbe-Haus und das Jüdische Museum in Berlin, die Galerie Zeitgenössische Kunst in Leipzig, die Kunsthalle Bremen, Schweizer Regionalbahnhöfe, der Autobahnring in Moskau, der Millennium Dome in London oder der Expressway Atlantic City gemeinsam? Die Antwort lautet: Sie alle sind mit Selux-Leuchten des Berliner Unternehmens Semperlux AG ausgestattet. Vor mehr als 55 Jahren gründete die Familie Bansbach in Berlin das Lichttechnik-Unternehmen Semperlux, das sich heute noch zu hundert Prozent in ihrem Besitz befindet. Die AG zählt zu den wenigen verbliebenen industriellen Unternehmen in der Hauptstadt. Besonders stolz ist die Firma darauf, dass ihre Produkte nicht nur auf dem deutschen, sondern auch auf dem internationalen Markt einen guten Ruf erwarben. Der Markenname Selux steht für eine moderne, hochwertige Innen- und Außenbeleuchtung. Dazu zählen in Berlin auch die Kandelaber am Brandenburger Tor, an der Straße des 17. Juni oder am Kurfürstendamm. Ein ehrgeiziges Vorhaben war die Neukonstruktion der historischen Schupmann-Kandelaber für den Boulevard Unter den Linden. Nur wenige Fotos und Unterlagen waren vorhanden, nach denen die Modelle und Gussformen gefertigt werden konnten. Im Herbst 1998 wurden 67 Kandelaber installiert und spenden seitdem wieder Licht. Auch wenn dem normalen Konsumenten der Name Selux vielleicht nicht so geläufig ist, weil Semperlux keine Massenware herstellt, so ist er doch in Fachkreisen ein Qualitätsbegriff. Semperlux hat in seinem Segment einen Marktanteil von rund fünf Prozent. Das ist etwa so viel, wie BMW am Automobilmarkt hat. Vor kurzem wurde der neue Sitz der Berliner Ärztekammer in der Friedrichstraße mit preisgekrönten Innenleuchten des Typs RGB ausgestattet. "Hierbei handelt es sich um eine innovative Pendelleuchte, die Erkenntnisse der Farbpsychologie in die Arbeitswelt umsetzt", sagt Vorstand Udo Bansbach. Die Leuchte erhielt den britischen "FX - International Interior Design Award 2002" und wurde von britischen "FX-Magazin", dem führenden Magazin für Einrichtungsprodukte, mit dem Preis "Best office lighting" gekürt. Bansbach: "Farben beeinflussen nachweislich das menschliche Wohlbefinden. Die Farbpsychologie kennt bereits seit Jahrzehnten den Einfluss von Farben, speziell auch von farbigem Licht, auf Körper, Geist und Seele". Diese Erkenntnis macht sich das Unternehmen zu Nutze, denn die unterschiedlichsten Tätigkeiten können mit verschiedenartigem Licht gezielt unterstützt werden. Hergestellt werden die völlig neuartigen Leuchten im Semperlux-Werk Berlin-Marienfelde. An diesem Standort sind 140 Mitarbeiter beschäftigt. Weitere Betriebsstätten befinden sich im brandenburgischen Zachow, im sachsen-anhaltinischen Halle, in Frankreich und den USA. Semperlux zählt weltweit 400 Beschäftigte, darunter 280 in Deutschland. In Europa gehören sechs Vertriebsgesellschaften, in Asien und Australien jeweils eine Tochtergesellschaft zur Unternehmensgruppe. Der konsolidierte Umsatz betrug im Geschäftsjahr 2002 rund 50 Millionen Euro. In der Teilnahme an internationalen Forschungsprojekten sieht Udo Bansbach einen wesentlichen Aspekt, um innovativ zu bleiben und vor allem die Zukunft von Semperlux zu sichern. So beteiligte sich das Unternehmen im Jahr 2000 am europäischen Forschungsprojekt Arthelio, dessen Ziel es war, intelligente und Energie-optimierte Systeme auf der Basis von Tages- und Kunstlicht zu entwickeln. Zudem bestehen Kooperationsvereinbarungen mit den Berliner Universitäten und der Technischen Fachhochschule Berlin. "Hieraus und aus der eigenen Forschungs- und Entwicklungsarbeit resultieren etwa 50 Patente und Schutzrechte", hebt der Vorstand hervor.Erfreut war das Unternehmen über einen Großauftrag aus der Schweiz. Den Zuschlag bekam Semperlux, weil es eine kundenspezifische Lösung entwickelte. Für die Neugestaltung der Schweizer Regionalbahnhöfe müssen 8500 Leuchten gefertigt werden, von denen inzwischen mehr als tausend Stück ausgeliefert wurden. "Die Außenleuchten sind Bestandteil eines Face-Lifting-Programms. Bis 2006 sollen insgesamt 619 Bahnhöfe in modernem Licht erstrahlen", bemerkt Udo Bansbach. "Mit unseren Erzeugnissen unterliegen wir der Architekturmode. Jedoch versuchen wir, nicht jeden Trend mitzumachen, sondern einen international ansprechenden Design-Anspruch zu erfüllen, der mindestens 15 bis 20 Jahre Bestand hat", fügt er hinzu. Um auf dem amerikanischen und kanadischen Markt besser Fuß zu fassen, baute die Semperlux AG jetzt ihr US-amerikanisches Tochterunternehmen Selux Corporation weiter aus. Gerade in Nordamerika wächst die Nachfrage nach modernen Leuchten stetig. Das Berliner Unternehmen kann bereits auf eine illustre Referenzliste verweisen. So wurden unter anderem der Olympic Winter Sport Park in Salt Lake City, die Sherman Oaks Galleria in Los Angeles, das Toronto General Hospital sowie die Landmark Plaza in Minneapolis erleuchtet.
Welt am Sonntag, 22. Juni 2003
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