An seinen Türen kommt keiner vorbei


Die Charlottenburger Traditionsfirma Hauk rüstet Ministerien, Botschaften und Banken mit Sicherheitssystemen aus

Von Katja Fischer

Es war eine böse Überraschung. Eines Morgens entdeckte Franz R. Hauk, dass Diebe versucht hatten, in seine Firma einzusteigen. Die Eingangstür bekam dabei schlimme Schrammen und Dellen ab, hielt aber stand. Heute zeigt der Geschäftsführer der Hauk Stahl- und Leichtmetallbau GmbH in Berlin-Charlottenburg seinen Kunden und Besuchern gern die Spuren des kriminellen Versuchs. "Ich habe die einbruchhemmende Tür nicht auswechseln lassen. Sie ist ein Werbeträger für unsere Sicherheitssysteme geworden", sagt Hauk.Das Charlottenburger Metallbau-Unternehmen ist seit 25 Jahren auf Hochsicherheitskonstruktionen spezialisiert. Es fertigt für öffentliche und private Auftraggeber so genannte durchbruch-, durchschuss- und sprengwirkungshemmende Fenster, Türen und Fassadenelemente. "Wir sind eine von sechs Fachfirmen in Deutschland", erklärt der Geschäftsführer. "Aber es drängen zunehmend Wettbewerber in den Markt, die eigentlich etwas anderes machen. Sie glauben wohl, dass mit der Sicherheit ohne großen Aufwand viel Geld zu verdienen ist." Sicherheitselemente haben zwar ihren Preis, sind aber auch sehr aufwendig herzustellen. Hauk hat in all den Jahren viele Erfahrungen sammeln können. Sein erstes Objekt war eine Beobachtungskanzel im U-Haftbereich Moabit. Seitdem rüstete seine Firma Ministerien, Gästehäuser, Villen, Banken, Verwaltungsgebäude und Hotels mit Sicherheitskonstruktionen aus. 200 deutsche Botschaften, Konsulate und Residenzen in aller Welt sind mit einbruch- und überfallabwehrenden Bauelementen aus Berlin ausgestattet. "Sicherheit ist Vertrauenssache", weiß der Unternehmer. "Wenn ein Fenster undicht ist, merkt man es beim ersten Regen. Ist es nicht durchschusssicher, kann es im Ernstfall zu spät sein." Bisher seien Konstruktionen, die seine Firma eingebaut hatte, noch nie wirklich geknackt worden. Auch nicht die Türen der deutschen Botschaft in Bagdad, die nach dem jüngsten Irak-Krieg von Plünderern attackiert wurden. Die richteten zwar Schaden an, gelangten aber nicht in die Botschaftsräume."Unsere Sicherheitssysteme entsprechen höchsten Anforderungen, sind amtlich geprüft und patentiert", betont Franz R. Hauk. Im Beschussamt Ulm werden sie getestet. Hauk: "Die Beamten schießen bei einem Fenster nicht nur auf das Glas. Sie kennen die empfindlichen Stellen zwischen Glas und Rahmen oder zwischen Flügel und Rahmen." Nach erfolgreichem Schusstest bekommt das Sicherheitselement ein Zertifikat und kann produziert werden.Ob für Neu- oder Altbauten, Eingangsbereiche, Präsidentensuiten oder Einfamilienhäuser - die Berliner Metallbaufirma bietet Lösungen für jeden Kunden an. "Je anspruchsvoller die Aufträge, desto lieber führen wir sie aus", meint Hauk. Seit 25 Jahren bildet das Unternehmen Lehrlinge aus und baute sich so seinen Mitarbeiterstamm auf. "Sie können alles, vom ersten Entwurf über Planung, Herstellung bis zur Montage der Elemente", so der Chef. Traditionelle Handwerkskunst werde mit computergestützter Konstruktion und modernen Fertigungstechniken verbunden. Seit Herbst 1991 produziert das Berliner Traditionsunternehmen auch im brandenburgischen Nauen. Es übernahm einen Betrieb für landwirtschaftlichen Musterbau samt Mitarbeitern. Das Berliner Werk in der Charlottenburger Nithackstraße nahe dem Schloss Charlottenburg war zu eng geworden. Seit 1904 hat die Firma Hauk dort ihren Sitz. Damals wählte der Urgroßvater des heutigen Chefs, ein Schmied, den Standort in der Nähe des Marstalls, weil er die königlichen Pferde beschlagen wollte. Heute führt Franz R. Hauk das Familienunternehmen in der vierten Generation. Beide Standorte, Berlin und Nauen, schreiben schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von sechs Millionen Euro erwirtschaftet. "Aber es wird immer schwieriger, an Aufträge zu kommen", meint der Unternehmer. "Die gegenwärtige Baupolitik ist nicht gerade mittelstandsfreundlich." Das Pleite-Land Berlin und die klammen Kommunen Brandenburgs würden kaum noch investieren. "Sie reparieren nicht einmal das Notwendigste. Dabei steht doch im Grundgesetz "Eigentum verpflichtet". Das muss auch für Kommunen gelten. Sie können doch nachfolgenden Generationen keine Ruinen hinterlassen", ärgert sich Hauk. Weil zu viele Anbieter um zu wenige Aufträge rangeln, werde der Wettbewerb immer ruinöser. "In den vergangenen zwei bis drei Jahren sind in Berlin 20 Firmen meiner Branche kaputtgegangen, allein im letzten Vierteljahr wieder vier."Wenn es mehr Projekte wie den Neubau des Bundeswirtschaftsministeriums gäbe, könnte sich seiner Ansicht nach die Lage des Mittelstandes bessern. Damals schlossen sich neun mittelständische Firmen verschiedener Fachrichtungen unter Beteiligung von Hauk zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Die setzte sich bei der Ausschreibung gegen große Generalunternehmen durch und bekam den 35-Millionen-Euro-Auftrag. Hauk: "Das war ein absolutes Novum in Deutschland. So etwas würden wir gern wieder machen."

Die Welt, 24. August 2003
 

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