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Schnäppchen ab Fabrik
Von Uta Alexander
Ob Kleidung, Schuhe, Porzellan oder Schokolade - Werksverkäufe ziehen nicht nur Insider an Sie sind spartanisch eingerichtet, sparen an Personal und Ambiente und führen selten die neueste Ware - dafür sind Fabrikverkäufe um 30 bis 70 Prozent günstiger als der normale Einzelhandel. Einige gewähren ihren Kunden sogar Einblicke in die laufende Produktion.„Bei uns bekommen Sie hochwertige Herrenmode für einen Superpreis“, verspricht die Verkäuferin im Fabrikverkauf des Herrenausstatters Becon am Berliner Salzufer. Ein Sakko ist für 110 bis 160 Euro zu haben. Oberhemden kosten zwischen 19 und 34,90 Euro. Kein Wintermantel liegt über 255 Euro, selbst mit Wolle- und Kaschmiranteil.Im Wohnkultur-Outlet in den Weddinger Osramhöfen gibt es edle Seidenstoffe für 28 statt 87 Euro pro Meter. „Viele holen sich im Fachhandel Angebote für die Ausstattung ihrer Wohnung mit Gardinen. Die liegen dann bei 5000 bis 10 000 Euro. Kommen sie zu uns, erleben sie regelmäßig einen Aha-Effekt“, sagt der Verkäufer.Manche der rund 100 Fabrikverkäufe in Berlin und Brandenburg sind echte Geheimtipps. Beim Schokoladen-Hersteller Rausch in Tempelhof beispielsweise decken sich zur Adventszeit regelmäßig Insider mit Naschwerk ein und kommen dafür auch von weit her. Einige Werksverkäufe bieten sogar Einblicke in die Produktion - zum Beispiel der Zierkerzenfabrikant Ewald Schmidt in Prenzlauer Berg oder die Porzellanmanufaktur „Hering“ in Zehlendorf.Gegenüber dem normalen Einzelhandel lassen sich im Fabrikverkauf zwischen 30 und 70 Prozent sparen. Der Grund: Die Geschäfte führen nicht immer komplette Kollektionen, so dass Bekleidung mitunter nicht in allen Größen vorhanden ist. Manchmal liegen Überhänge aus der vergangenen Saison in den Regalen oder auch Ware mit kleinen Mängeln. Oft sind die Läden recht spartanisch eingerichtet. Gespart wird am Personal und am Ambiente. Die Kostenvorteile werden an die Kunden weitergegeben.In seiner Not verhält sich der normale Einzelhandel ähnlich und kämpft mit massiven Rabattaktionen um Umsätze. „Das lässt den Preisvorteil der Fabrikverkäufe schrumpfen“, sagt Jan Holzweißig, Sprecher des Gesamtverbandes des Berliner Einzelhandels. Kaufhäuser und Fachgeschäfte räumen Nachlässe bis 30 Prozent und mehr ein. Mitunter bedeuten solche reduzierten Verkäufe für die Händler sogar totale Verlustgeschäfte. Die Gewinnmargen sanken im Durchschnitt aller Branchen von 1,6 Prozent auf 1,3 Prozent, schätzt der Verband. „Am schlimmsten traf es die Lebensmittelhändler. Hier bleiben von 100 Euro Umsatz selten mehr als 30 Cent Gewinn übrig“, so Holzweißig. Im Bekleidungshandel rutschten die Gewinnmargen von 3,3 auf 2,8 bis 2,5 Prozent.Von dieser katastrophalen Situation im Handel profitiert der Kunde. Wer jetzt seine Weihnachtseinkäufe plant, sollte die Preise genau vergleichen. Für solide Klassiker an hochwertiger Mode dürften die Fabrikverkäufe eine gute Adresse sein, beispielsweise der in den Osramhöfen im Wedding angesiedelte Markenanbieter Marc Cain. Anders sieht es bei hochmodischer Saisonware aus. Da kann unter den Sonderangeboten der Kaufhäuser oder in den Boutiquen in der City manches Schnäppchen zu finden sein.
Welt, 26. November 2002
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