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Die Show geht weiter
Mit über 40 Jahren Erfahrung bietet sich die Berliner Union-Film als Spezialist für Fernsehproduktionen an
Von Uta Alexander
Natürlich waren alle schon da: Nena und Udo Lindenberg, Jürgen von der Lippe, Dieter Thomas Heck, Katja Riemann und Dieter Bohlen, Daniel Küblböck oder die Synchronstimmen von Julia Roberts und Bruce Willis. Morgens an einem normalen Werktag sind Film- oder Fernsehstars und Sternchen auf dem Gelände der Berliner Union Film aber eher selten zu sehen. Dafür umso mehr Männer in Arbeitskluft, die mit sperrigen Gegenständen hantieren. Bühnenmeister Erik Wagner mit seinem Team ist gerade dabei, 23 „Kristalltürme“ auf einen Lkw zu verladen. Die bis zu sechs Meter hohen Konstruktionen aus Plexiglas und Stahl, die eine raffinierte Beleuchtung später in glitzerndes Glas verwandelt, sind die Bühnendekoration für die Mitte September laufende Casting-Show „Stimme 2003“. „Gedreht wird in Köln, aber die komplette Ausstattung kommt von uns aus Berlin“, erklärt Wagner.
„Keines unserer fünf Studios war groß genug“, bedauert Geschäftsführer Klaus Dick. Dabei sind Shows seit der ZDF-Hitparade 1969 eigentlich das angestammte Geschäft der Union-Film. Der Standort Tempelhof gehört seit fast 40 Jahren zu den führenden Studiobetrieben und technischen Mediendienstleistern in Deutschland. Sein Ruhm geht noch auf die Ufa zurück, die hier bis zur Auflösung 1963 ihren Sitz hatte. Namhafte internationale TV- und Filmproduzenten und alle großen deutschen Sender zählen heute zu den Kunden. Hier gingen „Der große Preis“, „Blind Dinner“, ZDF-Schlagerparty, UNICEF-Gala und „Nachtstudio“ über die Bühne. Die Teams betreuten Außenproduktionen wie „Für alle Fälle Stefanie“, „Polizeiruf 110“, „Klinikum Berlin Mitte“ oder „Unser Charly“. Die Dekorationsbauer schufen die Kulissen für „Das goldene Lenkrad“, „Die Goldene Kamera“, die „SAT.1-Quizshow“ oder die „Oldienight 2003“. Über 20 Mio. Euro flossen in den letzten Jahren in modernste digitale Regietechnik, Licht und Klima, Werkstätten, Synchronstudios, Schneideräume, Sound-Design Studios, Mischateliers sowie komplettes Equipment für Außendrehs. Ob diese Investitionskraft sich halten lässt, ist fraglich. Denn derzeit verschärft sich der Wettbewerb um Kunden. Nicht nur die Hochburgen der deutschen Filmwirtschaft München, Hamburg, Köln und Berlin rivalisieren miteinander. Auch Tschechien, Polen, Bulgarien und Litauen drängen ins Geschäft. Zugleich werden wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation vieler TV- und Filmfirmen Aufträge knapper. Die Folge: Die bislang gute Auslastung der Union ging zurück, die Mitarbeiterzahl sank von 200 auf 125. Das Umsatzvolumen von knapp 20 Mio. Euro im Jahr 2001 war 2002 leicht rückläufig.
„Ganz klar, wer die günstigste Kostenstruktur hat, macht das Rennen“, sagt Klaus Dick. Man könne sich nicht darauf verlassen, dass Berlin einen Bonus hat, nur weil es derzeit weltweit als „angesagte“ Stadt gilt. „Drehs sind immer hart, egal, ob in London, Prag oder Berlin. Ein Arbeitstag dauert zehn, vierzehn Stunden. Für die Akteure zählt, dass Maske, Garderobe, Hotel und Versorgung funktionieren. Wichtig sind kurze Wege, wie wir sie innerhalb des Geländes und zum Flughafen Tempelhof haben. Vom weiteren Umfeld kriegen sie wenig mit.“
Also veränderte der studierte Betriebswirt, seit Januar 2002 neben Christian Kube in der Leitung von Union-Film, Arbeitsabläufe und Strukturen. Er setzt auf kleine Teams rund um jeweils einen Veranstaltungsmeister oder Bühnenmeister. Sie arbeiten weitgehend eigenverantwortlich projektbezogen. „Das macht uns motiviert, flexibel und effizient“, so Dick. Er will die größte Stärke der Tempelhofer, ihre enorme Showerfahrung, mehr ins Licht rücken. „Musik- oder Quizshow, Comedy, Sitcom oder Weekly, Talkrunde, Gerichtsshow oder Magazinsendung – wir können alle Formate bedienen“, versichert Dick. Aller paar Jahre wird die Show als Genre für tot erklärt. Mal die Talkshow, mal die Gerichtsshow, mal die große Gala. Kein Wunder, denn schon ein mittleres Format bedeutet einen Aufwand zwischen 500 000 bis 1,5 Mio. Euro. Teuer daran sind die Honorare der Stars, die einerseits die Einschaltquoten bringen, andererseits die Budgets für die Produktionsfirmen wie Union beschneiden. Diese Dienstleister stellen mit rund 50 000 Arbeitsplätzen bundesweit die Hälfte aller Jobs in der Filmwirtschaft. Klaus Dirk gibt sich gelassen: „Wirklich gefährlich für Studios ist der Trend zur Doku-Soap unter freiem Himmel. Aber die Show behält ihren Reiz. Sie wird zwar in der Regel nur einmal ausgestrahlt. Aber mit cleveren Ideen oder aktuellen Themen verknüpft, lockt sie ein riesiges Publikum an.“ Bestes Beispiel sei die Irak-Gala. Dafür zogen die Tempelhofer alle Register ihres Könnens. Von der Planung bis zur Hotline für Spender am Sendetag war innerhalb von zwei Wochen alles perfekt. „Das können nur absolute Profis“, so Dick. Mit den Star-Castings sieht er sogar für ganz großen Shows wieder eine Zukunft. Dass der Medienstandort Berlin-Brandenburg das Zeug zur Nummer 1 in Deutschland hat, steht für den 48-Jährigen fest: „ Babelsberg ist ideal für das große Kino. Adlershof kann Film und Show. Tempelhof ist Spezialist für das Fernsehgewerbe: Show, Event, Talk.“ Jetzt müsse jeder sein Profil schärfen. Das würde die Zusammenarbeit verbessern, die derzeit nur sporadisch ist.
Welt am Sonntag, 7.9.03
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