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Die Wellness-Welle erreicht die Hauptstadt
Fitness-Studios und Hotels entdecken den Gesundheitsmarkt
Uta Alexander
BERLIN, 6. Januar. Faulenzen kann fit machen. Dies ist die wohl geschäftsträchtigste Erkenntnis des vergangenen Jahres - und für die Berliner Wirtschaft eine reale Wachstumschance. Neuerdings offerieren die rund 300 Berliner Fitness-Studios mehr und mehr Angebote, die über das reine schweißtreibende Bodybuilding hinausgehen. Zielgruppenspezifische Kursprogramme und präventives Training sind Trend. In separaten Ruhezonen und Saunabereichen wird sanft die Seele gestählt gegen die Widrigkeiten des Alltags. Massagen, klassische und exotische Beauty-Angebote und sogar Ernährungsberatung ergänzen zunehmend die Dienstleistung. "Kunden erwarten heute von der Fitness-Branche ein Know-how, das Gesundheitsprophylaxe und im Einzelfall sogar medizinischen Rat umfasst", sagt Unternehmer Jürgen Jopp. Der promovierte Sportwissenschaftler war einer der ersten Investoren im Marktsegment Fitness und Freizeit in Berlin. Heute betreibt er hier fünf Studios, jedes eine Investition von bis zu zwei Millionen Euro. Branche wächst kräftig Der hiesige Markt, der im Vergleich zum gesamten Bundesgebiet eher zögerlich erschlossen wurde, ist noch lange nicht satt. Das Nachfragepotenzial von 4,5 Millionen Menschen rund um die Stadt wird ein verstärktes Engagement privater Kapitalgeber auslösen. Dies geht aus einer Studie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie hervor. Als verlockend gelten die hohe Zahl junger, aktiver Menschen zwischen 15 und 35, eine breiter werdende Bevölkerungsschicht mit hoher Kaufkraft und der große Anteil von Leuten aus dem Dienstleistungsgewerbe sowie Singles, die angeblich besonders aktiv nach "außerhäuslicher Zerstreuung" suchen. Nach Berechnungen des Frankfurter Wirtschaftsinstituts Wefa steigt der Umsatz bei Wellness-Produkten und Dienstleistungen um jährlich fünf Prozent, während insgesamt der Konsum eher stagniert. So wird es in Berlin wohl nicht bei 300 Fitness-Studios bleiben. In der südafrikanischen Healthland-Gruppe beispielsweise stehen alle Signale auf Grün für den Betrieb von 100 Anlagen bundesweit, vermutlich auch im Raum Berlin. Auch die Berliner Hotels wollen ihre wirtschaftlichen Aussichten verbessern, indem sie die lukrative Marktlücke bedienen. Jüngstes Beispiel ist das Hotel DomAquarée, das derzeit auf dem Platz des alten Radisson SAS-Hotels gegenüber dem Berliner Dom errichtet wird. 2003 soll das Vier-Sterne-Hotel fertig sein. Zum Großprojekt gehört eine öffentlich zugängliche Bäderlandschaft mit Wellness-Zentrum. Der Alsterhof in Wilmersdorf hat bereits im Mai dieses Jahres eine großzügige Wellness-Anlage eröffnet. Häuser mit zwei und drei Sternen ziehen nach, werben jetzt mit Erlebnisduschen, Dampfbädern und modernem Trainingsgerät. Selbst wenn sich das nicht sofort rechnet, lassen sich so immerhin höhere Zimmerpreise rechtfertigen. Fest ins Visier der Wellness- und Fitness-Anbieter geraten zunehmend Senioren, die gesund und aktiv bleiben wollen. Der Anteil der über 45-Jährigen in den Sportstudios liegt nach einer Studie der Universität Hamburg bei einem Drittel. Um die hundert Mark monatlich ist ihnen die Mitgliedschaft in einem Sportstudio durchaus wert. Tendenz steigend, prognostiziert Freizeitforscher Horst Opaschowski. Insgesamt knapp 2,7 Milliarden Euro setzen die 6 500 Fitness-Studios in Deutschland um. Die Branche war eine der wenigen, für die auch 2001 ein erfolgreiches Jahr war. Fast alle Unternehmen kalkulieren weiter mit steigenden Umsätzen und Beschäftigtenzahlen.
Mehr Jobs erwartet // Umsatz: Nach Studien von IHK und Landessportbund setzt allein die regionale Sportwirtschaft in Berlin jährlich rund eine Milliarde Euro um.
Sportstudios: Schon mit einem Stamm von rund 700 Mitgliedern kann es ein Studio auf Jahresumsätze von rund 383 Millionen Euro bringen. Neue Einrichtungen in Berlin brachten es in kürzester Zeit auf 1 600 Mitglieder.
Berufe: Laut Arbeitskreis Freizeitwirtschaft am Institut der Deutschen Wirtschaft führt der Wellness-Boom dazu, dass Sport- und Physiotherapeuten, Sport- und Gymnastiklehrer, Masseure und Kosmetiker gefragter denn je sein werden.
Berliner Zeitung, 07.01.2002
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