Westhafen soll von EU-Erweiterung profitieren

Standort auch als innerstädtischer Umschlagplatz attraktiv

Reiner Fischer

BERLIN, 17. Februar. Die kleinste Berliner Anstalt Öffentlichen Rechts, die Berliner Hafen- und Lagerhausbetriebe (Behala), erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit ihren 200 Mitarbeitern einen Umsatz von 17,9 Millionen Euro. "Das sind zwar 1,5 Millionen Euro weniger als 2000, dennoch legten wir im Bereich Hafenumschlag mit 10 Millionen Euro Umsatz erstmals seit Jahren wieder zu", sagte Herbert Kreis, Mitglied des Behala-Vorstandes, der "Berliner Zeitung". In den Bereichen Bauschutt-Entsorgung und Umschlag fester Brennstoff war allerdings ein Rückgang zu verzeichnen. Insgesamt habe das Unternehmen 1,5 Millionen Euro an die Landeskasse abgeführt.
Berliner Logistikzentrum
Der Westhafen sei bestens darauf vorbereitet, sich zum bedeutendsten innerstädtischen Logistikzentrum Berlins zu entwickeln, sagte Kreis. Das dritte Hafenbecken wurde zugeschüttet, um Flächen für Speditionen bereitzustellen, ein Containerterminal sowie eine neue Verladerampe seien fertig gestellt. Künftig solle der Hafen als Güterverteilzentrum, als Standort mit ausgeprägter Massengutlogistik und schließlich als Transferhafen im Ost-West-Verkehr fungieren.
Zur Komplettierung des Berliner Logistikzentrums müsse in absehbarer Zeit zum 40 Hektar großen Gelände des Westhafens der 30 Hektar umfassende Großmarkt Beusselstraße hinzukommen. Zusammen wäre es dann ein großes Gelände in städtischer Regie. Zu Spekulationen, dass die Behala privatisiert werden solle, äußerte sich Kreis skeptisch. Dafür müsse eine Mindestsumme von 300 Millionen Euro auf den Tisch gelegt werden. "Der Senat will uns zwar verkaufen. Aber nach meinem Kenntnisstand gibt es für das Gesamtunternehmen bisher keinen Interessenten", so der Hafenexperte.
Auch in Zukunft werde die Behala wettbewerbsfähig sein, sagte Kreis. "Ich gehe davon aus, dass der Güterverkehr spätestens nach der EU-Osterweiterung verstärkt von der Straße auf die Schiene und den Wasserweg verlagert wird." Berlin sei die Schnittstelle zum Osten. Mit dem Hafen Stettin bestehe bereits heute ein Kooperationsabkommen. "Doch wegen des Zustandes der Wasserstraßen und auch wegen der mangelhaften Bahnverbindung erlangte diese Zusammenarbeit bisher noch keine nennenswerte Bedeutung." Die Stadt am Oderhaff galt einmal als der Seehafen Berlins.
Nach wie vor werde aber auch dem Güterverkehr in Richtung Westen viel Aufmerksamkeit gewidmet, fügte Kreis hinzu. So existiere mit Europas größtem Binnenhafen Duisburg ebenfalls ein Kooperationsabkommen. "Auch für den Skandinavien-Verkehr wird unser Standort immer interessanter."
Der Westhafen gewinne zudem für die Deutsche Bahn als innerstädtischer Umschlagplatz zunehmend an Attraktivität. Das Bahngelände des Hafens solle als Ersatz für den Hamburger und Lehrter Güterbahnhof genutzt werden, wenn diese in absehbarer Zeit aufgegeben werden. Mittelfristig könne sich die Behala auch ein stärkeres Engagement bei der Entsorgung vorstellen. Die Voraussetzungen dafür seien günstig. "Ab 2005 darf in Berlin nicht mehr deponiert werden und die BSR bekommt auch keine Müllverbrennung mehr genehmigt." Er gehe davon aus, dass dann die Wasserstraßen stärker in die Entsorgung einbezogen werden, wie das auch in anderen Ländern und Millionen-Metropolen wie London oder New York der Fall ist.
Noch werde der neue Umschlagplatz für Container allerdings nicht ausgelastet. Als Hauptgrund sieht er den weit hinter den Erwartungen zurückbleibenden Ausbau der Wasserstraßen nach Berlin. "Die Verantwortung dafür, dass es nicht zügig vorangeht, liegt eindeutig beim Bund. Als wir den Containerterminal konzipierten, war uns der Ausbau bis 2003 zugesagt. Jetzt sind wir frühestens bei 2006."
Zweistöckiger Transport
Der Westhafen selbst sei für lange Schubverbände ausgebaut. Das größte Problem werde in nächster Zeit die Anhebung der Brücken sein, um dann mit den Schubverbänden die Container zweistöckig transportieren zu können. "Ab dem Frühjahr bemühen wir uns gemeinsam mit der Binnenreederei, zunächst einen einstöckigen Container-Linienverkehr nach Hamburg zu organisieren, von dem wir uns einiges versprechen." Auch das Lagergeschäft entwickle sich gut, obwohl längst noch nicht alle Möglichkeiten genutzt würden.

Berliner Zeitung, 18.02.2002

 

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