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Den teilen sie sich mit ausschließlich mittelständischen deutschen Anbietern wie Krieghoff in Ulm, Sauer & Sohn in Eckernförde oder Blaser in Isny. Europäische Konkurrenz kommt aus Ferlach in Österreich, von Perazzi aus Italien sowie Herstellern aus Belgien, Spanien und Tschechien.
Jäger lassen sich ihr Hobby eine Menge kosten. Zu DDR-Zeiten war es eher eine Frage der Beziehungen als des Geldes, ob einer jagen durfte. Heute muß der Waidmann dagegen nicht nur für seine Flinte tief in die Tasche greifen.
Dieter Helm, Fachverkäufer im Suhler Waffenladen, muß sich mit der Rolle als Treiber begnügen. Er kann es sich nicht leisten, für 6000 Mark im Jahr ein Revier zu pachten oder für jeden Hirsch mindestens 5000 Mark Abschußgebühr zu zahlen. Wie ihm geht es vielen Einheimischen, und so ist es nicht verwunderlich, daß die meisten Kunden der Suhler Büchsenmacher aus dem Westen kommen.
Jagdwaffen aus Suhl - dieses Markenzeichen stehen für einen Stil, der sich über Generationen herausgebildet hat. Markant sind besonders die - im Unterschied etwa zu österreichischen Waffen - filigranen Gravuren mit Jagdszenen oder Landschaftsmotiven und die aufwendigen Schnitzereien im Nußbaumholz der Gewehrschäfte. Einzigartig sind auch bunt gehärtete Systemteile, die das Gewehr in bläulichem Perlmuttglanz schillern lassen.
Jede Waffe ist ein Unikat, aber Experten erkennen an den harmonischen Proportionen, der Form der Muschel, der Schäfte und der Abzugsbügel die Thüringer Arbeit. Gerühmt wird besonders die Gängigkeit der Mechanik.
Eine "Merkel" aus Suhl gehört ebenso in eine Sammlung wie eine handwerklich gefertigte Waffe aus Ferlach oder eine Perazzi aus Italien. Liebhaber lassen sich die Luxusversion bis zu 50 000 Mark kosten. Dafür bekommen sie Extras wie Tierstückeinlagen in Silber und Gold auf den Seitenschloßplatten, schottische Fischhaut auf die Pistolengriffkäppchen und das Schaftmagazin.
Für solche Waffen nehmen Kunden viele hundert Kilometer Anfahrt nach Suhl in Kauf. Ein Gewehr - zumal wenn es den Preis eines Mittelklassewagens hat - besorgt sich kaum jemand im Laden. Ein solches Stück bestellt der Liebhaber beim Meister. Zum Beispiel bei Helmut Reinhardt. Er gehört zu den wenigen übriggebliebenen Büchsenmachern, die alle Wechselfälle des Lebens überstanden haben und immer noch in seiner Ein-Mann-Werkstatt hoch über Suhl auf Röderfeld arbeitet. Hier montiert er Tag für Tag Laufbündel, Basküle, Schloß und Schaft zu kompletten schußbereiten Waffen. Das heißt Feilen, Anpassen, Feilen und Anpassen, bis die über 100 Metallteile lautlos zusammenspielen wie ein Schweizer Uhrwerk. Ein Jahr oder gar zwei Jahre dauert es, bis ein aufwendiges Stück fertig ist. Helmut Reinhardt baut höchstens an zehn Waffen gleichzeitig.
Gerade hat er die Arbeit an einer besonders wertvollen Büchse beendet. Sie ist im Panzerschrank sicher verschlossen, bis ihr Käufer sie abholt. Es ist eine schlanke Doppelbüchse mit Schaftmagazin. Läufe und Schaftform sind dem Schützen angemessen wie ein Designeranzug. Auf dem Schloß glänzen unter einer Adelskrone die Initialen des Kunden.
Der war ein paarmal bei Helmut Reinhardt gewesen, um seine Waffe anzuprobieren. Danach daß er neben dem Büchsenmacher auf einem altersschwachen Stuhl vor dem elektrischen Heizlüfter, sah dem Meister bei der Arbeit zu und genoß den weiten Blick über die Stadt. “Bei uns ist noch alles so wie vor 100 Jahren”, sagt Reinhardt. “Wir brauchen keine Salons und Handelsvertreter. Ein fachkundiges Gespräch über die Jagd ist die bessere Verkaufsstrategie.”
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