vogel_k

“Der absolute Kult. Dafür lasse ich jeden italienischen Roller und jedes japanische Super-Bike stehen”, schwärmt der 20jährige Mope aus Berlin. Im zünftigen 70er-Jahre-Outfit mit Schlaghosen, Regenmantel und Fliegermütze geht er mit seiner Schwalbe, Baujahr 1964, an den Start der Rallye Monte Lugau. Der Parcours durch das brandenburgische Dorf mit Friedhofskurve und Feuerwehr- schikane fordert fast alles von Fahrer und Maschine. Und auf jeden Fall macht es Spaß. Mit lautem Geknatter, inmitten einer Qualm- wolke drehen die Fahrer mit etwa 60 Sachen ihre Runde. Mope landet auf Platz sechs.
Schwalbe-Rennen wie das in Lugau im Oktober sind absolut “in” bei jungen Leuten. Dabei galt die Simson Schwalbe, eine Mischung aus Motorroller und Mokick, zu DDR-Zeiten bestenfalls als Fahrzeug für die Volkspolizei. Im Westen fand sie kaum Beachtung. Ein Lacher für jeden Motorradfahrer. Doch die Zeiten sind lange vorbei, und das Image der Schwalbe hat sich gewandelt. Der Vogel aus dem Simson-Werk in Suhl befindet sich seit der  Wende im Steilflug. Die Maschinen werden, je nach Zustand, zwischen 50 und 3000 Mark gehandelt. Ellen Schweiger auf das zweckmäßige Styling und den robusten Motor zurück.

dorfbewohner_k

Und: Die Schwalbe durfte laut Einigungsvertrag 60 km/h (und damit 10 km/h schneller als alle anderen Mopeds) fahren. Streng nach den Vorschriften muß ihr Tempo heute allerdings auf 50 Sachen gedrosselt werden.
Sie ist Mitglied der legendären Vogelfamilie, die Simson in den 60er Jahren auflegte. Star, Spatz, Schwalbe, Sperber und Habicht waren die Vespas der DDR. Nach der Wende kam das Aus für den traditionsreichen Betrieb in Thüringen, in dem zum Schluß 3500 Mitarbeiter 200 000 Fahrzeuge im Jahr produzierten. Auch die Simson-Servicestationen bekamen ihre Kündigung. Der Markt im Osten war weggebrochen, und in den neuen Ländern stiegen die Kids auf ausländische Zweirad- marken um. Das Unternehmen, zu dem die Brüder Simson 1856 den Grundstein gelegt hatten, war am Ende.
Es klappte. Seit Februar 1992 werden in Suhl wieder Mokicks und Motorroller gebaut. Wenn auch keine Schwalben mehr, so doch moderne Maschinen, mit denen sich der Zweiradhersteller in Thüringen einen Platz auf dem hart umkämpften Markt sichern will.

schwalbe_k

Traum-Schwalbe in Blau: Der Kleinroller KR 51-1 wurde bis ´80 gebaut. hat 3,6 PS und 50 ccm Hubraum

start_k
[Lauter schräge Vögel]